Nützliches

Allgemein

ZIP Codes

Fliegenwerfen an der Küste

Gedanken zum effizienten und ergonomischen Fischen

Unsere Zielfische, die Meerforellen, halten sich bevorzugt im Uferbereich der Küstengewässer auf, denn hier finden sie hinreichend Nahrung. Eine Vielzahl an Garnelen, Tangläufern, Grundeln, Stichlingen, Tobias-
fischchen und anderen Meerestierchen werden hier zu ihrer leichten Beute.
Demnach genügt es für einen Fangerfolg, unsere Fliege in dieses nahe liegende Jagdgebiet der Meerforellen zu präsentieren. Es reicht in der Regel eine Wurfweite, die jeder durchschnittlich begabte Werfer mit ein wenig Übung und der richtigen Doppelzugtechnik erreichen kann.

Natürlich kann mit sehr weiten Würfen eine etwas größere Fläche abgefischt werden, doch ist hierfür auch ein erhöhter Körper- bzw. Krafteinsatz notwendig.
Bei intensivem Fliegenfischen an der Küste, sollte unsere Kraft jedoch gut eingeteilt und die Aufmerksamkeit auf eine effiziente, ergonomische Wurfmechanik gelegt werden.
Gemeint ist hiermit, mit möglichst wenig Energieaufwand eine maximale Schnurgeschwindigkeit und Wurfweite zu erreichen.

Zunächst ist hierzu die drastische Reduzierung der Leerwürfe notwendig. Jeder Leerwurf, der kein Ergebnis bringt (z.B. die Schnur nicht verlängert) ist sinnlos, unproduktiv und kostet Energie!
Dementsprechend muss bei jedem Vorwurf und bei jedem Rückwurf!! Leerschnur durch die Schnurhand freigegeben werden und zwar solange, bis das notwendige Schnurgewicht zum optimalen „Aufladen“ der Rute erreicht ist.
Dieses gilt für die Fischerei mit Vollschnüren ebenso wie bei der Verwendung von Schussköpfen.

In der Praxis wird beim Fischen die Schnur zum erneuten Auswerfen mit einem Rollwurf aufgenommen und wenn möglich, hierbei schon Leerschnur freigegeben. Die Anwendung des Rollwurfes ermöglicht es dem Fliegenfischer die Fliege bis dicht an den Ufersaum zu fischen. Es folgen vorwiegend zwei (evtl. höchstens drei) mit der Doppelzugtechnik unterstützte Rückwürfe und Vorwürfe mit jeweiligem Verlängern der Fliegenschnur.
Beim letzten Rückwurf muss die Rute bestmöglich aufgeladen sein, so dass der finale Vorwurf die im Schnurkorb gelagerte Leerschnur durch „schießen lassen“ auf Weite bringt.

Wichtig ist hierbei, beim Vorwurf den Arbeitswinkel der Rute erst spät nach vorne zu verlagern und zwar möglichst erst dann, wenn die Rutenhand die Körpermitte passiert. In diesem Moment der höchsten Rutengeschwindigkeit sollte ein Zug mit der Schnurhand den Wurf unterstützen. Wenn darüber hinaus ein relativ kleiner Arbeitswinkel eingehalten und eine gerade Linie mit der Fliegenrutenspitze beschrieben wird, rollt die Fliegenschnur genau über die Rutenspitze in einer schönen Schlaufe nach vorne aus. Das Vorfach wird sich strecken und die Fliege präzise in der Verlängerung der Schnur ins Wasser eintauchen.

Jegliches „Herumwedeln“ mit Rute und Fliegenschnur ist unbedingt zu vermeiden. Sicher ist es bisweilen schön, die Fliegenschnur elegant in der Luft zu halten und sein Ergebnis selbst zu bestaunen, doch an der Küste ist es absolut fehl am Platze. Jede einfallende Windböe oder ein kleiner Fehler im Timing oder der Koordination wird unseren Fliegenwurf deutlich beeinträchtigen. Ganz abgesehen von der Scheuchwirkung, die Leerwürfe auf die Fische ausüben können.

Manchmal kann man Fliegenfischer beobachten, die den letzten (finalen) Vorwurf mit übermäßig viel (Zug)Dynamik und Power ausführen. Statt diesen Wurf genauso harmonisch und ruhig durchzuführen, wie die vorherigen Leerwürfe, wird durch einen hektischen schnellen Zug an der Fliegenschnur und ein „Peitschen“ mit der Rute versucht, sehr viel Druck in den (letzten) Vorwurf zu legen, um möglichst eine extreme Weite zu erzielen.

Doch genau das Gegenteil tritt oft ein, denn durch einen zu stark eingesetzten Kraftimpuls wird die Schnur an der vollständigen Entfaltung der Schnurstreckung gehindert und die Spitze der Fliegenschnur überschlägt sich (die überschüssige Energie sucht einen Ausweg). Es entsteht ein sog. „Tailing Loop“ und ins Vorfach bilden sich die bekannten „Windknoten“.
Diese Vorfachknoten beeinträchtigen stark die Tragkraft der Vorfachschnur und müssen unbedingt gelöst werden. Das zerrt an den Nerven und kostbare Angelzeit geht verloren.

Zum Schluss zwei fiktive Beispiele, über die man einmal objektiv nachdenken sollte:

Beispiel 1:
Es gelingt dem Werfer, die Fliegenschnur dynamisch ganz auszuwerfen und eine Weite von 27 m zu erreichen. Leider klappt es dabei nicht das Vorfach gestreckt abzulegen und die Fliege taucht bei etwa 23 m ins Wasser ein.
Der Fliegenfischer beginnt mit dem Einstrippen der Flugschnur. Bis sich das Vorfach streckt und die Fliege tatsächlich fischt, muss er erst viele Meter Fliegenschnur (wirkungslos) einstrippen.
Bis er faktisch Kontakt zur Fliege bekommen hat, vergeht viel Zeit und die evtl. anvisierte Meerforelle ist fort.

Beispiel 2:
Mit exaktem ruhigem Timing, wenigen Leerwürfen und effektivem (wenig) Krafteinsatz legt der Werfer seine Fliegenschnur mit einer Länge von (nur) 20 Metern auf das Wasser. Das 5 m lange Vorfach streckt sich akkurat und die Fliege taucht bei 25 Meter ins Wasser ein.
Der Fischer beginnt mit dem Einstrippen der Fliegenschnur und seine Fliege fischt sofort!

Ich hoffe, meine Gedanken und Anregungen zum Fliegenwerfen haben Sie inspiriert, das Fliegenfischen an der Küste auf einfache Art zu versuchen und ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei.

Günni Sareyka