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Der Fliegenwurf

Werfen im "Österreichischen Stil" (modifiziert)

Anders als beim Spinn- oder Grundfischen ist nicht der Metallköder, das Grundblei oder der Futterkorb das Wurfgewicht, sondern die Fliegenschnur. Das Gewicht ist auf die Länge der Fliegenschnur verteilt.
Die Länge der Fliegenschnur auf den ersten 30 Fuß (9,15 m) gibt nach der Normierung das eigentliche Wurfgewicht vor.
Eine Fliegenschnur der Klasse 6 hat zum Beispiel ein Wurfgewicht von 10,4 g.

Im Idealfall muss sich beim Wurf durch richtiges Timing und Technik die ausgebrachte Fliegenschnur beim Vor- wie beim Rückwurf ganz strecken, damit dem Werfer auch das jeweils ganze Schnurgewicht zur Verfügung steht.

Beispiel: Wenn ich auf einer 9 m hohen Leiter stehe und lasse die Schnur gestreckt bis kurz über den Boden herab, fühle ich das entsprechende Gewicht der Schnur in der Hand.
Steige ich z. B. ca. 1 Meter die Leiter herab, liegt die Schnur folglich auf dem Boden auf und ich trage weniger Schnurgewicht.

Der Fliegenwurf hat im Grunde einen natürlichen anatomischen Bewegungsablauf.
Wenn z. B. ein Kind einen Ball wirft, macht es automatisch folgendes: Es holt nach hinten oben aus und wirft den Ball auf einer geraden Linie ins Ziel. Auch ein Speerwerfer zeigt dieses Bewegungsmuster.

Hans Gebetsroither *3.2.1903 - +13.12.1986

Der verstorbene Altmeister der österreichischen Fliegenfischerei Hans Gebetsroither hat diesen natürlichen Wurfablauf, der insbesondere aus dem Schulter- und Ellenbogengelenk kommt, in die Fliegenwuftechnik übernommen.

Die Bewegungsstrecke des Rutenarmes oder der Rutenspitze beim Wurf wird hierbei als sog. Arbeitsweg bezeichnet.

Die Fliegenrute wird beim Rückwurf nach hinten "gezogen", wobei der Ellenbogen eine flache halbkreisförmige Bewegung (Ellipse) noch hinten oben beschreibt.

Beim Vorwurf wird die Fliegenrute von hinten oben nach schräg unten auf einer leicht abfallenden geraden Linie "geschoben".

Jeweils wird die Fliegenrute hierbei erst in Höhe des Körpers (also spät!) abgekippt, wodurch sich der Arbeitswinkel (siehe unten) der Rute verändert.

Beim Vor- wie beim Rückwurf wird die Rute nach jedem Beschleunigungsvorgang deutlich abgestoppt, womit die aufgeladene Energie, erzeugt durch die Rutenbiegung, in die Schnur gegeben wird.
Die Beschleunigung der Rute erfolgt zunächst langsam und steigert sich bis zum Stopp.
Die höchste Geschwindigkeit wird etwa in Körpermitte erreicht.
Um Schwingungen der Rutenspitze, die als Wellenbewegungen in die Schnur übertragen werden, zu vermeiden, sollte die Rute nach dem Stopp etwas nachgeführt (gedriftet) werden.

Durch den aus der Schulter kommenden Wurfablauf und dem bewegten Ellenbogen geht die Schnur beim Rückwurf unter die Rutenspitze durch und beim Vorwurf über die Rutenspitze hinweg.
Die Wurfebenen sind somit deutlich voneinander getrennt.

Viele Anfänger bewegen die Fliegenrute beim Wurf aber nicht nach diesem Schema, sondern lassen den Ellenbogen stehen und bewegen nur den Unterarm. Es entsteht eine sog. „Scheibenwischerbewegung“.
Die Rutenspitze beschreibt hierbei einen vertikalen Halbkreis. Dieser Kurvenweg der Rutenspitze ist immer ein Umweg, der logischerweise länger als der direkte Weg zum Ziel ist.
Nur wenn man einen geraden Weg geht, wird der Zielort schneller erreicht.

Auf den Fliegenwurf bezogen bedeutet dieses, dass der Werfer eine schnelle Schnurführung bekommt, wenn die Fliegenrutenspitze jeweils einen geraden Weg auf einer Ebene von Punkt A nach Punkt B nimmt.
Die Fliegenschnur folgt dabei immer zwangsläufig der Fliegenrutenspitze.

Den Weg, den die Rutenspitze zwischen den beiden Stoppunkten von Punkt A nach Punkt B beschreibt, nennt man Arbeitswinkel.

Wenn man sich das Ziffernblatt einer Uhr vorstellt, ist der Arbeitswinkel etwa 10 Uhr bis 1 Uhr.
Falls mit wenig Schnur geworfen wird, kann der Arbeitswinkel relativ klein sein.
Soll mehr Schnur in der Luft gehalten und weiter geworfen werden, muss der Arbeitswinkel der Rute vergrößert, der Arbeitsweg des Wurfarmes verlängert und mehr Beschleunigungsenergie (Druck) in den Wurf gelegt werden.

Je mehr Schnur sich in der Luft befindet, je länger muss der Fliegenfischer warten, bis sich die längere Schnur jeweils gestreckt hat, damit das gesamte Schnurgewicht für das Aufladen der Rute zur Verfügung steht. Hierbei kommt es auf das richtige Timing an.

Bei Rechtshändern ist es günstig, den rechten Fuß etwas zurück zu stellen. Dadurch kann die Wurfhand weiter nach hinten geführt werden, wodurch der Arbeitsweg z.B. bei Distanzwürfen verlängert werden kann.
Auch ist es dem Werfer besser möglich über die rechte Schulter nach hinten zu schauen und zu kontrollieren, wie sich die Fliegenschnur beim Rückwurf verhält.
Beim Backhandcast wird der linke Fuß zurück gestellt.
Bei Linkshändern funktioniert das entsprechend anders herum.
Beide Schultern zeigen jeweils in Wurfrichtung.

Je kleiner der Arbeitswinkel, je enger entwickelt sich die Schnurschlaufe. Eine enge Schlaufe schneidet besser den Wind und die Schnur fliegt schneller, genauer und weiter.

Die Spitze der Fliegenrute muss sich immer an einer imaginären Wand entlang bewegen!
Dieses ist für das Gelingen des Fliegenwurfes enorm wichtig!
Wenn die Rutenspitze diese Wand verlässt, beschreibt die Rutenspitze und die ihr folgende Schnur abermals einen Halbkreis und zwar einen horizontalen und es wird kein gerader Weg von Punkt A nach Punkt B beschritten.
Die Folge ist, dass sich die Fliegenrute nicht richtig aufladen kann und die Energie zum großen Teil verloren geht.
Der Werfer versucht in diesem Falle mit mehr Kraftaufwand, größerem Arbeitsweg und Arbeitswinkel oder zu schnellem Schnurgegenzug beim Doppelzug dieses zu kompensieren. Die Folgen sind dann eine unruhige, flatternde Schnur oder gar einen „Tailing-Loop“, bei dem sich die Fliege ins Vorfach einhängen kann.

Ein deutliches Zeichen für das Verlassen dieser erdachten Wand ist das „Verkannten“ der Fliegenrolle nach außen oder innen.
Aus dem Handgelenk wird nicht geworfen. Jedoch kann durch spartanischen Einsatz des Handgelenkes der Fliegenwurf noch optimiert werden.
Damit die Fliegenrute nicht zu weit nach hinten abgekippt und der Arbeitswinkel dadurch vergrößert wird, ist es vorteilhaft die Fliegenrute mit der sog. Zeigefingerhaltung oder auch, insbesondere für höhere Schnurklassen, mit der „natürlichen“ Handhaltung zu führen.
Der Fliegenrutengriff wird möglichst locker und unverkrampft in der Hand gehalten.
Geführt wird die Fliegenrute etwa in einen Winkel von 45 Grad zur Körpervertikalachse.

Die Wurfhand geht nicht über Augenhöhe und bleibt möglichst nah am Körper.
Ein Fliegenfischer kann nicht den ganzen Tag mit gehobenem oder seitlich gestrecktem Arm werfen. Dieses ist nicht effektiv und würde zu stark ermüden.

Das Fliegenwerfen braucht niemals Kraft!!
Ein guter Fliegenfischer arbeitet nicht unnötig, sondern lässt die Rute arbeiten.
Ruckartige und hektische Bewegungen sind unbedingt zu vermeiden.
Nur gleichmäßige, ruhige und rhythmische Bewegungen und das richtige Timing laden die Rute optimal auf und führen zu einer geraden, sauberen und eleganten Schnurführung.
Eine zu schnelle Schnurführung erschwert auch die Durchführung von diversen Trickwürfen und Servicevarianten.

Beim Ablegen der Fliegenschnur bzw. Fliege, wird die Rute nicht bis zur 9.00 Uhr Position durchgedrückt, denn dann entsteht eine große Schnurschlaufe, die beim finalen Vorwurf die zuvor aufgebaute Energie teils aus der Fliegenschnur nimmt.
Richtigerweise wird die Rute hoch abgestoppt, wartet bis die Schnur sich nach vorne streckt und senkt erst dann die Rute in die waagerechte Zielposition.

Äußerst wichtig beim Fliegenwurf ist die Schnurhand. Die Schnurhand folgt beim Wurf immer der Rutenhand. Es sieht etwa so aus, als würde ein Kanute sein Stechpaddel führen.

Die Schnurhand ist absolut unerlässlich für die Durchführung des Doppelzuges. Nur wenn die Schnurhand jeweils einen gegenläufigen Zug beim Vor- und Rückwurf ausführt, wird die Schnurgeschwindigkeit enorm erhöht.
Die Beschleunigung der Schnur erfolgt nicht unkoordiniert und ruckartig, sondern erhöht sich jeweils im selben Maße wie das Tempo der Rutenhand. So kann die Fliege leicht und ohne Kraft viele Meter weit geworfen werden.

Neben den verschiedenen Wurfvarianten ist das die „Hohe Kunst“ des Fliegenwurfes, die jeder mit der richtigen Anleitung, Geduld und Einfühlungsvermögen und natürlich mit ein wenig Übung erlernen kann.

Ich hoffe, ich kann Ihnen auf dem Wege zur Perfektion mit meinen Kursen behilflich sein.

Günni Sareyka