Der Doppelzug
Durch jeweiliges gegenläufiges und angepasstes Ziehen an der Fliegenschnur im richtigen Augenblick des Wurfes wird die Aufladung der Rute deutlich verstärkt.
Der Zug mit der Schnurhand bewirkt eine stärkere Rutenbiegung (Ladung), die nach dem Stopp der Rute eine zusätzliche Schnurgeschwindigkeit ergibt.
Durch einen perfekt ausgeführten Doppelzug braucht der Werfer fast keinen Energieaufwand mehr aus der Rutenhand. Der Zugweg der Schnurhand bringt eine derart große Entlastung, dass quasi (theoretisch) die Rutenhand lediglich die Aufgabe der Rutenführung übernehmen kann.
Ohne Doppelzugtechnik ist kein leichtes, kraftloses Fliegenwerfen möglich und weite Würfe können nicht durchgeführt werden.
Die Länge und Prägnanz des jeweiligen Zuges an der Schnur muss immer im richtigen Verhältnis zur ausgebrachten Schnurlänge und zum Weg der Rutenspitze (Arbeitsweg) passen und dazu absolut synchron verlaufen.
Bei Leerwürfen mit kurzer Leine benötigt der Werfer nur minimale Zugbewegungen bei gleichzeitiger Reduzierung des Weges der Rutenspitze. Bei Distanzwürfen indessen ist ein möglichst langer Zugweg der Schnurhand und ein entsprechender Weg der Rutenspitze notwendig.
Von Vorteil ist, den Zug beim Rückwurf im gleichen Moment mit der Verlagerung des Arbeitswinkels auszuführen und beim Vorwurf erst dann, wenn die Rutenhand das Ohr oder Auge des Werfers passiert (also später!). Hierdurch erreicht der Werfer, dass die Fliegenschnur „wie von selbst“ in enger Schlaufe über die Rutenspitze nach vorne ausläuft und der Zug mit der Schnurhand im Moment der höchsten Rutenbeschleunigung erfolgt.
Zum erstmaligen Üben der Koordination der Doppelzugtechnik ist es empfehlenswert, die beiden Wurfelemente (Vor- und Rückwurf) getrennt zu betrachten und zunächst jedes Teilelement separat einzuüben.
Zu Beginn des Trainings sollten die Übungen aus der Sitecast-Postition (90° - Rutenposition), also mit abgesenkter Rutenspitze und seitlicher Körperstellung auf einem ebenen, glatten Untergrund ausgeführt werden.
Wir beginnen mit dem Rückwurf, da hierbei die Ausführung und Abstimmung etwas einfacher ist, und führen die Rutenspitze aus der vorderen Ausgangsstellung in die hintere Stopp-Position. Dabei ziehen wir, wie oben beschrieben, an der Schnur. Wenn sich diese dynamisch entfaltet, führen wir die Schnurhand entsprechend nach und legen die Flugschnur gestreckt auf dem Boden ab.
Der Bewegungsablauf ist etwa mit dem Öffnen und Schließen einer großen Heckenschere vergleichbar.
Der Vorgang wird solange wiederholt, bis der Bewegungsablauf klappt.
Auf die gleiche Art und Weise üben wir auch den Vorwurf.
Werden die beiden einzelnen Wurfelemente sicher ausgeführt, kombinieren wir Vor- und Rückwurf und verkürzen die Pausen zwischen dem Ablegen auf den Boden immer mehr.
Bald können wir versuchen, die Schnur ohne Zwischenablage auf den Boden in der Luft zu halten.
In einem letzten Schritt wechseln wir in die normale Wurfposition (45° - Rutenstellung zur Körpervertikalachse) und das war es schon. Künftig gehört der Doppelzug zu unserem Wurfrepertoire!
Zur Kontrolle eines korrekten Wurfablaufes beim Doppelzug können wir zunächst das Schnurstück zwischen dem 1. Rutenleitring und der Schnurhand im Auge behalten. Wenn die Schnur im Wurfrhythmus immer gestreckt ist,
klappt der Doppelzug perfekt!

